FRAUEN UM NOVALIS


Ich kam nach Leipzig und geriet dort in reitzende Gesellschaften...
[F. v. H. an Oppel Ende Januar 1800. IV, 310]

Für Friedrich von HARDENBERGs Lebenslauf bedeutende Frauen sind zunächst die Mutter Bernhardine Auguste von HARDENBERG (1749-1818) sowie die Schwestern Sidonie Sophia Charlotte Caroline (1771-1801) und Auguste Sidonie (1779-1801).

In die Zeit des Studiums in Leipzig (1791-1793) fällt Friedrich von HARDENBERGs erste Liebe zu Julie EISENSTUCK (1775-1844), der Tochter eines Textilfabrikanten, später die Gattin eines Berliner Kaufmanns, und nach dem Urteil Friedrich SCHLEGELs, der mit ihrer Schwester Laura befreundet war, „ein schönes, sehr coquettes Ding“.
Die Leipziger Kaffeehäuser boten Gelegenheit, in Gesellschaft Bekanntschaften zu machen, denn zum Studium an der Universität waren Frauen erst ab 1870 zugelassen!

In Tennstedt, wo er im Oktober 1794 eintraf, wurden Friedrich von HARDENBERG zwei Frauen zu vertrauten Freundinnen: Rahel Nürnberger (1757-1833), die Ehefrau des Kreisamtmanns August Cölestin JUST, und dessen Nichte Caroline (1768-1844), die seit 1790 dort den Haushalt führte.
An Caroline JUST schrieb Friedrich von HARDENBERG wenige Monate nach Beginn seines Praktikums in Tennstedt:

„Glauben hab ich unerschütterlich zu Ihrer Erfindungskraft - noch mehr zu Ihrer Freundschaft. [...]
Geben und Nehmen. Eins von beyden ist jedes Menschen Bestimmung.
Sie gehören zu dem Ersten, ich zu dem Lezten vor der Hand. Ich hoffe auf die Zeit, wo wir unsre Rollen tauschen können.
Leben Sie wohl, unerschöpfliche Freundinn meines bessern Selbst“. [März 1795. IV, 150]

In Grüningen bei Tennstedt lernte er seine künftige Braut Sophie von KÜHN (1782-1797) und ihre Schwester Wilhelmine von THÜMMEL kennen, mit der ihn eine Brieffreundschaft über den frühen Tod der Verlobten hinaus verband.

In Jena bildeten Caroline Böhmer-SCHLEGEL-Schelling (1763-1809) und Dorothea Schlegel, geb. Michaelis (1763-1839), den Mittelpunkt eines romantischen Zirkels. Ihre selbstbewussten Entscheidungen zur Lebensführung, zur Partnerwahl, die eigenständige schriftstellerische und künstlerische Arbeit qualifizierten sie als Partnerinnen ihrer männlichen Schriftstellerkollegen nicht nur in der Ehe, sondern auch im gesellschaftlichen Leben. Friedrich von Hardenberg korrespondierte mit Caroline über seinen Essay über Goethe (1798), über Schlegels Roman Lucinde und Schellings Philosophie. Sie war ihm überdies längere Zeit anteilnehmende Freundin an allen Schicksalen seiner Familie.
Auch Rahel LEVIN, spätere Varnhagen (1771-1833), lernte er im August 1798 während seines Kuraufenthaltes in Töplitz kennen.
In Freiberg traf HARDENBERG 1798 in der Familie seines Lehrers Johann Friedrich Wilhelm Tussaint von CHARPENTIER auf seine zweite Braut Julie (1776-1811) und deren Schwestern Caroline (1773-1846 oder 1847) und Wilhelmine THIELMANN, geb. Charpentier (1767-1832).

In Leipzig und Dresden begegnete er der Malerin Johanna Dorothea (Dora) STOCK (1760-1832), Schwägerin von Christian KÖRNER. „Die Stock ist ein sehr kluges Mädchen ... Hardenberg wirft ihr ‚erlerntes Wohlwollen‘ und ‚künstliche Natürlichkeit‘ ich glaube nicht mit Unrecht vor.“ [Friedrich Schlegel an A. W. Schlegel aus Leipzig am 17. Mai 1792. IV, 573] Sie zeichnete später für ihn Julie von CHARPENTIER und wurde zum Dank in dem Gedicht An Dora gewürdigt.
Im Weißenfelser Kreis der Familie verkehrte Luise BRACHMANN (1777-1822), Schwester eines Studienfreundes, deren kleine Schauspiele man gewöhnlich im Hardenbergischen Hause aufführte. Friedrich von HARDENBERG empfahl 1798 einige ihrer Gedichte SCHILLER.

© Forschungsstätte für Frühromantik 2008. Text: Gabriele Rommel.
 
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