St. Marien
ehemals Klosterkirche des Dominikanerinnen-Ordens und Taufkirche von Novalis

Chronik

2. H. 13. Jh.  Mit dem Klosterbau in Wiederstedt entsteht auch die Klosterkirche. Sie ist in der Mitte zweigeteilt, die Westhälfte mit Nonnenempore für den Gottesdienst der Ordensfrauen, die Osthälfte dient als Gemeindekirche.

16. Jh. Nach der Säkularisierung wird die vormalige Gemeindekirche profaniert und zur Getreidescheune umgebaut. Die Westhälfte übernimmt die Funktion als Gemeindekirche für die Protestanten.

1634-1648  Zum Ende des 30-jährigen Krieges liegt das Dorf brach und ist fast unbewohnt, die Kirche wird mehrere Jahre als Pferdestall genutzt, der Turm als Wachturm. 1639 werden in Wiederstedt nur 3 Morgen Acker bestellt.

Nach dem Westfälischen Frieden kehren die Menschen zurück. 1651 gibt es nach 16 Jahren wieder einen Prediger im Ort, 1665 sind 40 Häuser wieder bewohnt.

1970er Jahre  Die Kirche wird als Gottesdienstraum aufgegeben. Sie verliert ihren Denkmalstatus und verfällt zunehmend.

1994  Es gründet sich ein Trägerverein für die Kirche. In der Folge werden der Dachstuhl gesichert und die Dächer von Kirche und Turm neu gedeckt.

Heute wird der Sakralraum gelegentlich wieder für den Gottesdienst genutzt.


Baubeschreibung

Der langgestreckte, einschiffige, achtachsige Saalbau aus Feldstein ist durch einen geraden Chorschluss und einen ca. 30 m hohen Westturm charakterisiert. Das Gebäude entspricht dem schlichten Baustil der Bettelordenskirchen. Hierbei fällt mit ca. 60 x 10 m vor allem die Länge des Kirchenschiffs auf.

Die ehemals den gesamten Raum einnehmende, hölzerne Nonnenempore auf der Westseite verschwand mit der Umnutzung als Gemeindekirche. Diesen Bauteil, der durch die letzte Umbauphase um 1900 geprägt ist, überspannt eine flache Holzdecke. Allerdings stammt die dreiseitige, ursprünglich doppelstöckige Empore laut Inschrift bereits aus dem Jahr 1723. Ihr schließt sich auf der Südseite eine langgestreckte Herrschaftsempore an. Ein Vers an der massiv gemauerten und verputzten Trennwand zwischen beiden Bauteilen "Wenn ich ihn nur habe, wenn er mein nur ist", aus dem fünften der Geistlichen Lieder von Novalis, erinnert an den Dichter. Das kleine Spitzbogenfenster ebendort und auch die Spitzbogenfenster in den Langhausseiten wurden im Zuge der Umbaumaßnahmen im 16. Jahrhundert vermauert, letztere jedoch mit kleineren Öffnungen versehen.

Die Scheune wird von einem Krüppelwalmdach bedeckt, das sich deutlich von dem steilen Satteldach auf der westlichen Gebäudehälfte absetzt. Einfache Strebepfeiler stützen von außen die schlichten Bruchsteinwände. Die vier westlichen Langhausfenster sind etwas schmaler und kleiner ausgeführt als die inzwischen vermauerten östlichen. Ursprünglich zierte ein breites, ebenfalls vermauertes Spitzbogenfenster die Ostwand. Reste seines Maßwerks sind im Inneren erhalten. Der ca. 7 m breite und im Grundriss annähernd quadratische Kirchturm geht in ein Oktogon mit Welscher Haube über, die seit einem Blitzschlag das frühere Zeltdach ersetzt.

Das bauzeitliche Inventar der Kirche ist bis auf zwei Bruchstücke des Taufsteins komplett verloren. In die Nordwand sind ein Epitaph für den kursächsischen Rittmeister Jacob von Blankenburg (1525-1595) und eine Grabplatte für dessen Schwägerin Katharina von Arnim (1557-1575) eingelassen. Vor der Herrschaftsempore liegt im Fußboden die Grabplatte für Hans Friedrich Georg von Oldershausen (1749-1772), Schwager von Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg, der wie die erste Frau von Novalis‘ Vater an den Pocken starb. Weitere Grabplatten und Grabsteine, darunter der Grabstein des Jacob von Blankenburg, sind erhalten, aber teils stark verwittert. Seit den 1970er Jahren steht in der katholischen Gemeindekirche St. Marien in Hettstedt ein gotischer Wandelaltar, der aus der ehemaligen Klosterkirche stammt.

Foto © Sabine Ullrich